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Cheb (Eger)/ Tschechien - Magma unterhalb des Cheb-Beckens an der Deutsch-Tschechischen Grenze bewegt sich stärker auf die Erdoberfläche zu. Das schließen Wissenschaftler des Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ) und des GeoForschungsZentrums Potsdam (GFZ) aus der Untersuchung aufsteigender Gase in den dortigen Mofetten und Mineralquellen. Messungen über einen Zeitraum von zwölf Jahren hatten gezeigt, dass sich das Verhältnis zweier Heliumisotope in diesen Gasen verändert. "Dabei wurden die höchsten Werte in Europa nördlich der Alpen gemessen wie sie sonst nur aus aktiven Vulkangebieten bekannt sind", so Dr. Karin Bräuer vom UFZ.
Für die Wissenschaftler sind diese Veränderungen ein Anzeichen für den Anstieg von magmatischer Aktivität unter dem Cheb-Becken. Das aufsteigende Magma könnte zugleich einer der Auslöser für die Schwarmbeben sein, die regelmäßig im Vogtland, in Nordwest-Böhmen, im Fichtelgebirge und in der Oberpfalz auftreten.
Die Ergebnisse der Untersuchungen werden am 27. September auf der Konferenz GeoErlangen 2005, sowie Anfang Oktober auf der 8. Internationalen Konferenz für Gasgeochemie in Palermo vorgestellt und sind in den international renommierten Geophysical Research Letters (GRL Vol. 32 in 2005) veröffentlicht.
Erdbeeben in Deutschland:
Rückblick: 4. September 2000, eine halbe Stunde nach Mitternacht. Ein dumpfes Grollen reißt die Bewohner des vogtländischen Klingenthal aus dem Schlaf. Gläser klirren im Schrank. Ein leichtes Zittern ist zu spüren. Ein Erdbeben der Stärke 3 erschüttert die Region im Dreiländereck. Größere Schäden gibt es nicht. Beunruhigt sind die Vogtländer trotzdem. Ungefähr alle drei Jahre treten hier sehr schwache Beben und im Abstand von mehreren Jahrzehnten mittlere Beben auf. Im Winter 1985/86 wurden beispielsweise Erdstösse bis zur Stärke 4,6 registriert.
"Wir hatten das Glück, dass unsere Messkampagne vom Frühjahr 2000 bis Dezember 2003 eine lang anhaltende Periode seismischer Aktivität von vier Monaten im Herbst/Winter 2000 einschloss", so Karin Bräuer. "So konnten wir seismisch bedingte Veränderungen in der Isotopenzusammensetzung der Gase nachweisen." Wenn die Erde im Vogtland bebt, dann tut sie das zwar nicht heftig aber dafür ausdauernd. Innerhalb von mehreren Wochen kann es dann zu Tausenden von schwachen Erdstößen kommen. Die Spannungen entladen sich nicht in einem großen Beben sondern in vielen kleinen Minibeben. Die Wissenschaftler nennen dieses Phänomen Schwarmbeben.
Erdbeben entstehen in der Regel an Grenzen zwischen zwei tektonischen Platten. Von diesen tektonisch aktiven Plattengrenzen ist das Vogtland aber weit entfernt. Die Gasuntersuchungen könnten jetzt eine Erklärung für das Auftreten der Schwarmbeben in dieser Region liefern. Aus dem Erdmantel steigt entgasendes Magma in die Erdkruste auf. "Es könnte sein, dass sich durch den Aufstieg des Magmas der Druck des Kohlendioxids in bestimmten Krustenbereichen erhöht und so die Schwarmbeben in einer Tiefe zwischen 6 und 14 Kilometern ausgelöst werden", erklärt Bräuer die neue Hypothese.
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