Basel - Ist die Himmelsscheibe von Nebra eine neuzeitliche Fälschung? Ja, meint der deutsche Professor Peter Schauer. In einem Interview mit der Schweizer Zeitschrift «mysteries» (www.mysteries-magazin.com) deutscht der Experte für Vor- und Frühgeschichte der Universität Regensburg seine Zweifel nun erstmals aus. Fazit: «Wenn sich das alles so, wie mir von dritter Seite berichtet wurde, als wahr herausstellt, dann haben wir einen handfesten Skandal.»
Woher die Scheibe tatsächlich stammt, mag Schauer offiziell nicht verraten. «Ich habe meine private Meinung dazu. Aber wenn ich das sagen würde, hätte ich wahrscheinlich einige Anwälte am Hals. So kann ich mir durchaus vorstellen, wo sie herkommt und wer sie – sagen wir mal – 'überarbeitet' hat. Das hat jemand gemacht, der zweifellos im Restauratorenhandwerk geübt ist.»
Unter Experten gilt die Scheibe von Nebra als archäologischer Jahrhundertfund: Die 1999 angeblich auf dem Mittelberg bei Nebra illegal ausgegrabene und 2002 in Basel sichergestellte «Himmelsscheibe» zählt derzeit zu den begehrtesten Ausstellungsstücken Deutschlands. Mit rund 3600 Jahren soll sie die weltweit älteste Sternendarstellung zeigen. Soeben wurden Sachsen-Anhalts Landesarchäologen Harald Meller und seinem Team etliche Millionen Euro an Forschungsgeldern für eine weitere Untersuchung des vermeintlichen Prachtstücks zugesprochen.
Professor Schauer mag darüber nur den Kopf schütteln. Handwerkstechnische Ungereimtheiten auf der Scheibe lassen ihn an einer bronzezeitlichen Herkunft ernsthaft zweifeln. Bereits vor der offiziellen «Restaurierung» – so ist er überzeugt – soll ein Restaurator Hand angelegt haben, als die Scheibe noch unter der Hand kursierte – und die vermeintlich uralten Korrosionsspuren mit Hilfe von Säure künstlich herstellt haben. Schauer: «Es ging wohl darum, das Stück in einen verkaufsfähigen Zustand zu verwandeln. Das ist sicher die Arbeit eines geübten Restaurators.»
Entsprechend kritisch kommentiert er denn auch die Arbeit seines Wissenschaftskollegen Harald Meller: «Wenn man als Museumsmann unter dem Druck zu glauben beginnt, man müsse mit grossen Ergebnissen an die Öffentlichkeit treten, um seinen eigenen Laden und seine Existenz als Direktor hochzupumpen, wird die Sache unredlich. Diese Unredlichkeit schadet der Wissenschaft und nimmt ihr ihre Glaubwürdigkeit.»
Luc Bürgin, Herausgeber des Magazins "Mysteries", hat der Redaktion die Pressemitteilung zu dem Interview, mit der Erlaubnis exklusiv darüber zu berichten, übersendet. Er übersendete ebenso ein Bild der Himmelsscheibe von Nebra, welches von der Staatsanwaltschaft Basel direkt nach der Festnahme der damaligen Räuber gemacht wurde. Ein Vergleich des Bildes mit den Pressebildern lässt definitve Zweifel, ob an der Himmelsscheibe nicht nachträglich gearbeitet wurde, um eine Alterung zu simulieren.
Das gesamte Interview mit Professor Schauer findet sich in «mysteries», Nr. 7/2005. Nähere Informationen: www.mysteries-magazin.com
© 2005 www.paranews.net, (JB)
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