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Europäer gegenüber Türkei
Historiker rät zur Gelassenheit
13.06.2006 10:17 Uhr
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Archiv: Eine türkische Moschee
© public Domain
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Berlin/Deutschland - Vor dem Beginn der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei hat der Berliner Historiker Michael Borgolte vor Fehlinterpretationen des christlich-islamischen Verhältnisses gewarnt und zur Gelassenheit geraten.
Muslime hätten das Geschick Europas schon seit dem frühen Mittelalter wesentlich mit beeinflusst und damit zum Aufstieg des Westens beigetragen, sagte er am Sonntag in einem Interview mit der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA.
Europa sei in seiner Geschichte nur deshalb so erfolgreich gewesen, weil es sich immer wieder produktiv mit fremden Einflüssen auseinander gesetzt habe. Man müsse das Verhältnis von Christentum und Islam in der Vergangenheit nicht schönreden, man brauche aber auch keine Angst zu haben, dass "im 21. Jahrhundert beim Versuch der Symbiose weniger gelingen sollte als den Menschen in Spanien oder Sizilien im früheren oder auf dem Balkan im späteren Mittelalter".
Beim EU-Außenministertreffen in Luxemburg soll am Montag der Startschuss für die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei fallen. Kritiker führen als Gegenargument immer wieder an, dass es keine gemeinsame Wertebasis zwischen der Türkei und der Europäischen Union gebe.
Borgolte lehrt in Berlin mittelalterliche Geschichte. Er ist Autor des im März herausgekommenen Standardwerks "Christen, Juden, Muslime - Die Erben der Antike und der Aufstieg des Abendlandes 300 bis 1400 nach Christus".
"Muslime und Christen haben das ganze Mittelalter hindurch in Europa neben- und miteinander gelebt, oft im mörderischen Konflikt und nie frei von Spannungen, aber lange Jahrhunderte hindurch doch auch mit erfolgreichen Lösungen der gemeinsamen Lebensgestaltung", sagte der Historiker. Borgolte verwies darauf, dass die islamische Welt wesentlich dazu beigetragen habe, wissenschaftliche und philosophische Errungenschaften der Antike aus Griechenland, Indien und China - auch auf Grund der Übersetzungstätigkeit der syrischen Christen - nach Europa zu übertragen.
"Ohne sie hätte es den Aufstieg des europäischen Westens seit dem hohen Mittelalter nicht gegeben", unterstrich Borgolte: "Natürlich haben die lateinischen Christen aus den ihnen zugekommenen geistigen Gütern mehr gemacht als Juden, Muslime und auch griechische Christen, aber sie haben auf fremden Fundamenten weitergebaut".
Die großen europäischen Vorbehalte insbesondere gegenüber den Türken erklärte der Historiker daraus, dass vornehmlich türkische Muslime die Kreuzfahrer aus dem Westen bekämpften, im 15. Jahrhundert das oströmische Kaiserreich eroberten und im 16. und 17. Jahrhundert bis nach Italien und nach Wien vorstießen.
(JB)
Quelle:
kathpress
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