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Wien / Österreich - Österreichische Forscher haben nun den ersten Prototypen eines Plasma-Antriebs entwickelt, der bald die Raumfahrt revolutionieren könnte, weil er bis zu 90% Treibstoff einspart. Mars -Missionen wie "Deep Space" würden dadurch um ein Vielfaches erleichtert.
Diese neue Antriebstechnik soll zunächst vorwiegend in der Raumfahrt ihren Nutzen finden. Die Grundlagen für den neuen Antrieb lieferten der Physik-Nobelpreisträger Hannes Alfven mit einer seiner Entdeckungen aus dem Jahr 1942. Der Physiker beschäftigte sich unter anderem mit Magnetohydrodynamik, kurz MHD genannt, welche die Wechselwirkung einer elektrisch leitenden Flüssigkeit mit elektrischen und magnetischen Feldern wiedergibt. Dabei ist die Ausbreitung von Wellen in dieser Flüssigkeit maßgebend. Diese werden als "Alfven-Wellen" bezeichnet.
Jetzt konnten erstmals diese Theorien in die Praxis umgesetzt werden, die Antriebstechnologien aus der Raumfahrt in eine neue Ära katapultieren könnten. Die Technologie hat den Vorteil, dass eine bis zu zehn Mal höhere Ausströmgeschwindigkeit gegenüber herkömmlichen Antrieben erreicht werden kann. Diese Parameter können nur mit Hilfe eines Kernfusionstriebwerkes erreicht werden, das es allerdings noch nicht gibt und höchstwahrscheinlich nie geben wird. Die Messungen an einem Prototypen wurden in einer Vakuum-Kammer durchgeführt.
Durch Treibstoffeinsparungen kann eine Gewichtsreduzierung erzielt werden, die es erlaubt mehr Nutzlast mit in den Weltraum zu befördern. Bei Satelliten soll der Treibstoff demnach um bis zu 50% vom Gesamtgewicht ausmachen, hieß es von Seiten der Forscher. Somit wäre auch die Lebensdauer mit dem neuen System positiv beeinflusst. Teammitglied Grassauer erklärte, die exakte Position eines Satelliten könne so besser eingehalten werden. Nun ist ein weltweites Patent angemeldet worden, und der Prüfbericht des Europäischen Patentamtes kam zu einem guten Ergebnis. Am deutschen Institut für Luft- und Raumfahrt in München-Garching und an der Technischen Universität Graz wurde das Patent getestet. Bereits vor 20 Jahren hatte Manfred Hettmer, der Präsident der österreichischen Mars Society, diese Idee, doch erst jetzt gelang ihm der Durchbruch. Somit rückt der Traum von einer Mars-Mission immer näher.
Durch den hohen spezifischen Impuls der neuen Antriebstechnologie würden "Deep-Space" Missionen erleichtern oder gar ermöglicht. Überdies können Leistung und Schub des Antriebs variiert werden, wodurch eine größere Flexibilität in der Manövrierung gewährleistet ist. Sogar Korrosion würden vermieden werden, weil der Schub der magnetischen Düse außerhalb des Gerätes erfolgt.
Das Projektteam setzt sich neben Grassauer und Hettmer noch aus dem Experimentalphysiker Norbert Frischauf, dem System-Ingenieur Tobias Bartusch und Otto Koudelka von der Technischen Universität Graz zusammen. Die Forscher sehen als regen Interessenten für den Plasma-Antrieb den Luft- und Raumfahrtkonzern EADS, Flugzeugbauer Boein, Hughes Network Systems und Alcatel Alenia Space. Am 15. Oktober wurde die Technologie in Japan auf einem Kongress der International Aeronautic Ferderation, FAI, vorgestellt.
Grassauer sieht auch einen Nutzen der neu errungenen Technik in den Bereichen der High-Tech-Beschichtungen, wie zum Beispiel bei der Härtung von Materialien mit Hilfe von auftreffenden Plasma-Strahlen auf den Werkstoff. Hierbei stellt sich Grasser vor, dass solche Methoden in der Automobilbranche für Werkstoffspezialisten interessant werden könnten. Die neu gegründete Firma Qasar Technologies GmbH solle hierbei als Innovationsschmiede bzw. Entwicklungsquelle dienen, aber in die Produktion will man dennoch nicht einsteigen, hieß es.
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