|
Auckland / Australien - Die bizarren, zum Teil über 20 Meter langen Riesenkalmare sind möglicherweise Kannibalen. Das vermuten Wissenschaftler aus Australien und Neuseeland, die den Inhalt des Verdauungstrakts dieser tintenfischartigen Kopffüßer untersucht hatten: Bei zwei vor der Küste Neuseelands und Tasmaniens gefangenen Exemplaren fanden die Forscher die Überreste von Kalmaren.
Den ersten Hinweis auf Kannibalismus bei den oft auch als Riesenkraken bezeichneten Tieren hatten Forscher um Steve O´Shea von der Universität von Auckland in Neuseeland bereits im vergangenen Jahr gefunden: Im Verdauungstrakt eines Weibchens entdeckten sie Überreste eines anderen Riesenkalmars. O´Shea dachte dabei jedoch zunächst nur an ein Missgeschick beim Sex: Beim Geschlechtsakt schiebt das Männchen seinen 1,5 Meter langen Penis zwischen die Arme des Weibchens. Dabei könnte dieser versehentlich in dessen Schnabel gelangt sein, so dass das Weibchen das Geschlechtsteil versehentlich abgebissen hat.
Doch nun entdeckten australische Forscher erneut Reste von Tentakeln und Schnäbeln im Verdauungstrakt eines Riesenkalmars. Diese stammten ebenfalls von Artgenossen was eine Gen-Analyse ergab. Da es sich bei dem Tier um ein Männchen handelte, scheidet ein Unfall beim Geschlechtsakt aus. "Das deutet stark auf Kannibalismus hin", erklärt Simon Jarman von der Australian Antarctic Division in Kingston.
Lange Zeit galten Riesenkalmare eher als sagenhafte Ungeheuer aus Seefahrergeschichten denn als reale Meeresbewohner. Doch seit gut 100 Jahren gibt es zuverlässige Berichte von Wissenschaftlern über die Kopffüßer mit ihren 10 Tentakeln. Dennoch hat bisher kein Wissenschaftler je einen Riesenkalmar in seinem natürlichen Lebensraum lebend gesehen. Alles Wissen über die außergewöhnlichen Lebewesen stammt von Exemplaren, die tot an der Küste angeschwemmt wurden oder sich in den Netzen von Fischern verfingen.
© 2005 www.paranews.net, (US)
|